Podesteria di Carpena

 

Carpena liegt in den Hügeln oberhalb von La Spezia, gleich dahinter beginnen schon die Cinque Terre mit den ersten Dörfern Riomaggiore und Manarola.
Die offizielle Geschichte besteht aus Episoden, Daten und Namen, die sich oft auf die herrschende Klasse jener Zeit beziehen, während die Geschichte der kleinen Leute und des Volkes hingegen aus Erinnerungen und Traditionen besteht, die im Lauf der Jahrhunderte von Vater zu Sohn weitergegeben wurden.
Ich erzähle Ihnen, was ich in Büchern gelesen habe, aber vor allem erzähle ich Ihnen das, was mir selbst erzählt worden ist: Im Jahr 1165 war Carpena einer der wichtigsten Orte im Val di Vara und Sitz eines ‚Podestà‘ (mittelalterlicher Stadtvogt), der über ein weitläufiges Gebiet herrschte, in dem auch „borgus Spedie“, das heutige La Spezia, und ein Teil der Cinque Terre lag.
Der weltliche Ursprung der Gegend spiegelt sich heute noch im Namen der Orte wider, die um Carpena herum liegen: Codeglia, Porcale, Castè, Vergassola, Cozzano, Torracca; sie stammen von den Familien, die diese Orte bewohnten und die zum Teil auch heute noch in dieser Gegend leben.
Im Jahr 1239 schwört Carpena der Republik Genua den Treueeid, aber schon nach wenigen Jahren teilt Simon Boccanegra das Territorium auf und gründet die Podesteria La Spezia.
Die Menschen von Carpena fühlten sich durch die Zerstückelung ihrer Podesteria gedemütigt und begannen mit La Spezia eine Auseinandersetzung, die man heute Guerilla nennen würde; 1371 artete sie in einen offenen Krieg aus.
Carpena erklärte nun Genua und La Spezia den Krieg, aber die Genueser stellten mit Waffengewalt die alte Ordnung wieder her. Andrea Doria belagerte Carpena mit Soldaten aus La Spezia, nahm es im April 1412 ein und machte es dem Erdboden gleich. Als ca. 500 Männer sich nicht ergeben wollten, wurden sie kurzerhand umgebracht, die übrigen 22 Gefangenen wurden an den Masten seiner Galeeren, die im Golf von La Spezia lagen, aufgehängt.
Der Niedergang war unvermeidbar, und der Groll dauerte durch die Jahrhunderte an bis in unsere heutige Zeit: Tatsächlich sind unsere Gegend und die Dörfer, in denen wir hier wohnen, der einzige Teil Liguriens, in dem man keinen Genueser Dialekt oder Akzent spricht.

 

 


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